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Montag, 28. Mai 2012

Krethi und Plethi

Alle möglichen Argumente werden von konservativer Seite für die Beibehaltung der Trennung von AHS-Unterstufe und Mittelschule aufgezählt: Dies sei eine Nivellierung nach unten, zuwenig Förderung der guten SchülerInnen, Überforderung der schwachen SchülerInnen, Leistungsspitzen, wie in der AHS gebe es dann nicht mehr. Doch gibt es für viele Eltern einen weiteren - nicht zu unterschätzenden - Grund, dass sie für die Beibehaltung der AHS-Unterstufe sind:

Manche Eltern, die ihre Sprösslinge mit viel Müh und Not und vor allem immer häufiger mit Unmengen an Nachhilfestunden durchs Gymnasium pushen, wollen einfach nicht, dass ihre Kinder mit Krethi und Plethi verkehren, also mit dem "Pöbel" und den Migrantenkindern gemeinsam in eine Klasse gehen. Mit der Abschaffung der AHS-Unterstufe gäbe es nämlich keine Möglichkeit mehr, unter seinesgleichen zu sein. Das ist Klassenkampf. Aber Klassenkampf von oben.

Solidarität ist notwendig
Doch das ist sehr kurzfristig gedacht, denn in Wirklichkeit brauchen wir mehr Solidarität mit MigrantInnen und der sozialen Unterschicht. In der Gesamtschule gäbe es eine besser durchmischte Zusammensetzung von SchülerInnen in den Klassen. Um gut funktionieren zu können, braucht die NMS nämlich auch die sehr guten SchülerInnen. Aber im urbanen Bereich wird die Mittelschule immer mehr zur Schule der MigrantInnen und sozialen Unterschicht. Das muss so schnell wie möglich geändert werden. Eine "gesunde" SchülerInnenmischung würde aber eindeutig das Lernklima und den Lernerfolg verbessern. Die gemeinsame Schule ist deshalb auch eine solidarische Schule, in der alle Schichten in einer Klasse die Schulbank drücken. Und was im nahen Südtirol mit Erfolg funktioniert, sollte bei uns wohl auch möglich sein. (Siehe dazu auch den Bericht in den Schulnotizen 2/2012)
Sagen wir nein zur weiteren Trennung von sozialer Unterschicht und MigrantInnen auf der einen Seite und der Mittel- und Oberschicht (und was sich alles sonst noch dazu zählt) auf der anderen Seite. Sonst werden uns die Jugendlichen ohne Zukunftsaussichten irgendwann einmal mit Aufstand um die Ohren fliegen.

Qualitätsverbesserung durch Mittelschule
Die Mittelschule bringt eine Qualitätsverbesserung, davon bin ich überzeugt, doch sie kann ihre Qualität erst dann zu 100 Prozent ausspielen, wenn auch dort alle guten Schüler der AHS-Unterstufe untergebracht werden. Den Wettbewerb mit der AHS-Unterstufe wird die Neue Mittelschule nicht gewinnen können. Nicht nur, dass die AHS einen Wettbewerbsvorteil hat, weil sie die schwachen SchülerInnen nicht aufnehmen muss, sondern weil bei den Eltern irrationale Ängste vorherrschen: Neben der Überzeugung, dass der Gang in die Mittelschule/Hauptschule dem Kind die Zukunftschancen raube, der Angst, dass ohne Leistungsgruppen die Intelligenten nicht mehr ordentlich gefördert würden, fliehen auch einige ins Gymnasium, um den Klassen mit zu vielen Migrantenkindern zu entkommen. Deshalb hat Claudia Schmied mit ihrer Meinung, keine weiteren zusätzlichen Klassen für die AHS finanzieren zu wollen, meine vollste Unterstützung. Denn zusätzliche Abwanderung der verbleibenden guten SchülerInnen in die AHS würde das Unterrichten in der Mittelschule noch schwieriger machen und Disziplinprobleme stark erhöhen. Und da die Zukunft sowieso in der gemeinsamen Schule liegt, wäre ein Ausbau der AHS-Unterstufe reine Geldverschwendung.





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