Menüs

Dienstag, 15. November 2011

Die "Reichensteuer" erregt die Gemüter

Mitten ins Fettnäpfchen getreten ist unsere resolute Finanzministerin mit ihrer Bemerkung, dass sie sich bei der Diskussion um die Reichensteuer an die Judenverfolgung erinnert fühle. Welche Emotionen die Wörter Reichen- oder Vermögenssteuer auslösen können, konnte man auch in Vorarlbergs Blätterwald rauschen hören. Da titelte ein Kommentator seinen Bericht gegen die Vermögenssteuer mit "Räudiger roter Reaktionismus" und ein Emser Lokalpolitiker brachte die Forderung nach der Reichensteuer in seinem veröffentlichten Elaborat mit dem Antisemitismus in Verbindung.

Die Bibel der Kapitalisten
Doch immer mehr Konservative beginnen umzudenken und verlangen verstärkt von den Reichen und Wohlhabenden, ihr Scherflein zur Budgetkonsolidierung beizutragen.
Auch der Economist, die Bibel der Kapitalisten, fordert eine höhere Vermögensbesteuerung.
So verkündete dieses Wirtschaftsblatt in einem Bericht, dass unsere Defizite nicht durch Sparen reduziert werden können, ohne dass dabei die Wirtschaft Schaden nehme. Außerdem habe die Globalisierung den Gewinnern, so der Economist, generöse Wohlstandszuwächse gebracht. Der Economist weiter: Die Forderung nach höheren Beiträgen der Reichen habe nichts mit Klassenkampf zu tun, sondern mit Mathematik. Klar, den wer den Mittelstand und die Unterschicht weiter schröpft, der schädigt die Wirtschaft. Wer ein ganz klein wenig von den Reichen nimmt, schädigt in Wirklichkeit niemanden, nicht einmal die Reichen.

Leben ohne Stacheldrahteinfriedung
Das Geld, welches wir für das Budget benötigen, kann nur von den Reichen kommen. Solidarität ist gefordert, außerdem wird auf längere Sicht unser Staat nur dann funktionieren, wenn auch die Unter- und Mittelschicht, die schon längst ihren Beitrag geleistet hat, zur Überzeugung kommt, dass es im Staate Österreich gerecht zugeht. Nur wenn die Regierung verhindern kann, dass die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter auseinanderklafft, werden wir den sozialen Frieden erhalten können. Dann haben ja schließlich auch die Reichen etwas davon und können sich weiterhin ohne Stacheldrahteinfriedung in ihren Villen sicher fühlen.

Umdenken ist im Gange
Unser Steuersystem muss außerdem völlig reformiert werden. Weniger Steuern auf den Faktor Arbeit, Entlastung der Unter- und Mittelschicht. Deshalb: Vermögenssteuer, Vermögenszuwachssteuer, Spekulationsabgabe, Erbschafts- und Schenkungssteuern. Bei einem Freibetrag von 800.000 bis 1.000.000 Euro braucht sich keiner der Mittelschicht zu fürchten, wie das die ÖVP den Bürgern einreden will. Und wer Gehälter verdient, die für normale Arbeiter jenseits des menschlich Vorstellbaren sind, sollte auch dementsprechend höhere Steuern bezahlen.
Sogar der schwarze AHS-Gewerkschafter Eckehard Quin fordert eine zweckgewidmete Solidaritätsabgabe der Reichen für Bildung. Der US- Investor Buffett, Ferrari-Chef Luca di Montezemolo und der österreichische Bauunternehmer Haselsteiner haben alle eines gemeinsam: Sie wollen mehr Steuern zahlen. Warren Buffett z. B. sieht nicht ein, dass er weniger Steuern zahlt als seine Sekretärin.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen