Menüs

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Schweiz - Österreich: Lehrergehälter und Arbeitszeiten im Vergleich

Immer wieder zieht es österreichische LehrerInnen aus Vorarlberg in die Schweiz, um dort als Grenzgänger zu unterrichten. Wie steht es eigentlich mit den Gehältern und den zu haltenden Unterrichtsstunden? Wenn man die höheren Lebenshaltungskosten in der Schweiz berücksichtigt, verdienen dann Schweizer LehrerInnen immer noch viel besser als ihre österreichischen KollegInnen? Fragen, die ich geklärt haben wollte.
 Der OECD-Vergleich bezüglich Schweiz/Österreich ist nicht ganz zufriedenstellend und lückenhaft, da die Schweizer Kantone zu große Unterschiede aufweisen: verschiedene Unterrichtsstunden, Gehälter, Gesamtarbeitsstunden und so weiter. Kurzum ein Vergleich Österreich - Schweiz ist kaum möglich. Aus diesem Grund habe ich mich nun auf den Nachbarkanton St. Gallen konzentriert. Und ich habe mich nur mit den Anfangsgehältern beschäftigt, die ja besonders wichtig sind, um Personen für den Lehrberuf zu gewinnen. Verglichen habe ich die Gehälter mit jenen der österreichischen PflichtschullehrerInnen

St. Gallen:
In diesem Kanton haben die Lehrenden 28 Lektionen pro Woche zu unterrichten, dazu 2 Stunden Anwesenheitsverpflichtung. Die jährliche Arbeitszeit wird mit 1938 Stunden angegeben, davon steht der Lehrende 1120 Stunden pro Jahr in der Klasse. Es gilt die 50-Minuten-Stunde und die LehrerInnen haben 40 Wochen Schule. Dabei verdient eine Primarlehrkraft 71.923,60 Franken und eine Sekundarlehrperson 91.297,95 Franken, letztere verdient genauso viel wie ein Oberstufenlehrer.

Vergleich mit Österreich
Für Grenzgänger genügt ein normaler Lohnvergleich völlig, den diese leben ja im günstigeren Vorarlberg. Und die höheren Arbeits- und Unterrichtszeiten (weniger Ferien, mehr Unterrichtsstunden pro Woche) schrecken viele Vorarlberger nicht ab. Wie hat es mir gegenüber ein österreichischer Grenzgänger ausgedrückt: "Ich unterrichte lieber 28 Stunden, habe aber dafür einen ordentlichen Gehalt." So erhält eine Lehrperson (HS/NMS) bei uns pro Unterrichtsstunde (Jahresgehalt dividiert durch Jahresunterrichtsstunden) € 36,36. In der Schweiz € 52,32.

(vergrößern durch anklicken)


Kaufkraftbereinigt
Ob sich nun eine Schweizer Lehrperson mit seinem höheren Gehalt trotz höherer Lebenshaltungskosten mehr leisten kann als sein österreichischer Kollege, können wir herausfinden, wenn wir die beiden Löhne kaufkraftbereinigt vergleichen. Und siehe da: Trotz Kaufkraftbereinigung verdienen Schweizer LehrerInnen bedeutend mehr. Selbst wenn man die höhere Arbeitszeit bzw. Unterrichtszeit berücksichtigt, ist der Verdienst immer noch besser als in Österreich.
Beispiel: Der Anfangsgehalt eins Sekundarlehrers/Sekundarlehrerin von 74.350 Euro in der Schweiz, entspricht kaufkraftbereinigt in Österreich einem Gehalt von 51.574 Euro. Logisch, denn in Österreich sind auch die Lebenserhaltungskosten niedriger als in der Schweiz.

(vergrößern durch anklicken)


Träumen ist erlaubt!
Wir können das ganze Kalkulationsspiel noch weitertreiben. Wie viel müsste also der Anfangsgehalt eines Lehrenden (NMS/HS) in Österreich sein, damit er den gleichen Lebensstandard haben kann, wie ein Schweizer Lehrer in St. Gallen? (Natürlich unter Berücksichtigung der niedrigeren Kaufkraft und der niedrigeren Unterrichtsstunden/Arbeitsstunden.)

Berechnung des Gehalts auf Basis der Arbeitsstunden:
          47.242 Euro (26,60 x 1776)
Berechnung des Gehalts auf Basis der Unterrichtsstunden:
          34.776 Euro (46 x 756)

Ob sich die Regierung bei den Verhandlungen zum neuen Dienst- und Besoldungsrecht das Schweizer Gehaltsmodell im Hinterkopf haben, wage ich allerdings zu bezweifeln.

(Schweizer Angaben laut dem Bildungsdepartement St. Gallen und auf Bruttobasis. Die Zahlen können sich jederzeit aufgrund wechselnder Devisenkurse und Kaufkraftparität verändern. Angaben ohne Gewähr. Aufgrund von Rundungen können sich kleine Abweichungen ergeben.)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen