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Montag, 18. Juli 2011

Teil 3: Otto Habsburg und die Weltpolitik

Auf die Frage, ob er Monarchist sei, antwortete Otto Habsburg meist: Er sei weder Monarchist noch Republikaner sondern Legitimist (Lehre von der Unabsetzbarkeit des angestammten Herrscherhauses). Denn was die Habsburger von Gott erhalten haben, kann ihnen doch kein Volk, keine Regierung, einfach niemand nehmen. Trotzdem unterzeichnete er 1961 eine Loyalitätserklärung für die Republik, ohne jedoch einen Hehl daraus zu machen, dass er dies nur tat, um wieder in Österreich einreisen zu dürfen

Hoch lebe die Monarchie
Noch im selben Jahr (1961) meinte er: "Die Wiedereinsetzung von Königshäusern bildet die einzige Möglichkeit, um das Gleichgewicht zwischen Volk und Staat aufrechtzuerhalten." Immer wieder beklagte er sich über die Missstände in unserer "Gefälligkeitsdemokratie". Das Regieren, besondes wenn Sozialisten am Werk waren, bezeichnete Habsburg als ein "Weiterwursteln", und der Normalzustand der Politiker sei die Blindheit. In Zeiten der Donaumonarchie war Östereich hingegen, davon war Otto überzeugt, kein Völkerkerker sondern ein "ordentlicher Staat, eine freie Gemeinschaft freier Völker", die in Frieden gelebt hatten, weil "die Gesetze Gottes als Grundlage des Staates" anerkannt wurden. Im kaiserlichen Heer gab es außerdem "Disziplin, Gemeingeist und Kameradschaft".

Politischer Kolumnist mit grober Klinge
Am wohlsten fühlte sich Otto Habsburg am Parkett der Weltpolitik. Kein nicht-erzkonservativer Politiker, den er verschonte. Die drei großen Herren der europäischen Sozialdemokratie hatten es ihm besonders angetan: Willy Brandt (Friedensnobelpreisträger und ehemaliger deutscher Bundeskanzler) bezeichnete er als "Stöpsel in den bewegten Wogen der Weltpolitik, als Gaukler und Friedensschwätzer", den "charakterliche Schwäche" ausgezeichnet habe. Brandt sei "geistig unterbelichtet" gewesen und habe die Wahlen nur deshalb gewonnen, weil die Medien ihn als "großen Schweiger" hingestellt hätten. Den Schweden Olof Palme verglich Habsburg gar mit Hitler, und Bruno Kreisky hielt er zwar für hochintelligent, bei seiner amoralischen Nah-Ost-Politik habe ihn aber der Teufel geritten, denn Organisationen wie die PLO, die OPEC und gar die UNO seien nichts anderes als Räuberbanden und Parasiten, meinte der Kaiser ohne Thron.
Menschenkenntnis bewies Otto, als er den französischen "Kommunistenhäuptling Marchais" als "brutal" bezeichnete. Eindeutiger Beweis dafür: Man sehe es ihm am Gesicht an. Der frühere US-Präsident Reagan sei jedoch weder naiv noch dumm gewesen und Thatcher hielt er für "eine der klügsten Politiker" ihrer Zeit. Habsburg wusste auch, dass Gorbatschow eine Restalinisierung betrieben habe, die Friedensdemonstranten "geistig unterbelichtet" (eine Bezeichnung, die Habsburg sehr gerne verwendete) und Homosexuelle keine "normalen Menschen" seien.

Diktatur ist nicht gleich Diktatur
Auf dem Parkett der Weltpolitik fühlte sich Habsburg besonders wohl. Beinahe zu jedem Thema posaunte er seine Meinung mediengerecht in eine Welt hinaus, die seine Warnungen allerdings so gut wie immer ignorierte. So bildete das sozialistische Schweden, "auf dem Marsch in die Unfreiheit die Spitze". In Chile gab es für Pinochet keine Alternative, und Südafrika war für den Kaisersohn bereits 1970 eine "Insel des Fortschritts", er behauptete es gebe sogar eine Demokratie dort - "zumindest für den weißen Teil seiner Bevölkerung".
Habsburg kannte exakt die Unterscheidungsmerkmale zwischen linken und rechten Diktaturen: erstere sind totalitär, letztere hingegen autoritär. Und damit war klar, dass er beinahe jeder rechten Diktatur etwas Positive abringen konnte.

Von Pazifisten und deutschen Soldaten
Auch die Grünen mussten lernen, dass sie nicht zu den Freunden Ottos gehörten. Ihnen warf er vor, dass sie eine Bedrohung für die Sicherheit Europas darstellten, weil etwa für Menschen, die Tempolimits fordern, "auf allen Gebieten das Bremsen, also die Verlangsamung des Fortschritts, ein tragender Gedanke" ist. Diese alternativen Intellektuelle seien bloß "Halbgebildete", die aus "nicht-intakten Familien" kämen. Die Friedensbewegungen sah er zusammengesetzt aus "sowjetischen Agenten, nützlichen Idioten, Scharlatanen, ahnungslosen Mitläufern sowie blökenden Pazifisten".
Soldatisches hingegen fand Habsburg bewundernswert: "Der Heldenmut des deutschen Soldaten in zwei Weltkriegen hat Freund und Feind Hochachtung abgerngen - besonders wenn wir jener gedenken, die den russischen Riesen bis an die Wolga zurücktrieben und dann in drei Jahren tragischer Rückzugsgefechte ein einzigartiges Beispiel der Pflichterfüllung sogar nach Schwinden der Hoffnung gaben", verkündete er 1952.

Habsburgs Aussagen hätten genügend Stoff fürs politische Kabarett geboten, doch selbst dafür war er zu unbedeutend. Deshalb werden die Begräbnisfeierlichkeiten für die Familie Habsburg wohl eine späte Genugtuung gewesen sein.


Alle Zitate wurden aus Zeitungsberichten entnommen, die Otto Habsburg vor 1990 geschrieben hat. Danach hatte ich von seinem Geschreibsel so die Nase voll, dass ich mich bis zu seinem Todestag nicht mehr mit Habsburg beschäftigte.

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