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Sonntag, 17. Juli 2011

Habsburg und das Christentum

Otto Habsburg, Kaiser ohne Thron, war ein Vielschreiber. Zu allem und jedem fand er einen Kommentar. Las man Otto Habsburgs regelmäßige Kolumnen in den Vorarlberger Nachrichten, gelangte man bald zu einem klaren Ergebnis: Die Rettung der Welt vor dem Materialismus und dem moralischen Untergang liegt in der Wiedereinführung von Autoritäten und den absoluten Wahrheiten des Christentums. Otto Habsburgs Leben war gekennzeichnet vom Kampf gegen Atheisten, Kommunisten, Sozialisten und andere linke Elemente, die, seiner Meinung nach, speziell in Österreich "geistig unterbelichtet" seien.

Teil 2: Weltrettung durch das Christentum

Bei soviel feindlicher Umgebung war Otto ständig damit beschäftigt, die Feinde des freiheitlichen, christlichen Lagers zu demaskieren. Von christlicher Nächstenliebe und Toleranz war dabei wenig zu spüren. Politiker beurteilte Habsburg vor allem nach ihrem Glauben. So war US-Präsident Reagan "ein überzeugter Christ" und beim ehemaligen CSU-Ministerpräsidenten Strauß "kommt seine tiefe religiöse Überzeugung und daher seine moralische Bindung" hinzu. Und der katholische Diktator Franco in Spanien sei eine "außergewöhnliche Persönlichkeit" gewesen, dem das Land viel zu verdanken habe. Konsequenterweise sprach Otto 1956 von dem "bewunderungswürdigen Spanien, für das wir alle die Gefühle tiefster Solidarität und beständiger Freundschaft hegen".  Wen wundert es da noch, wenn Habsburg im Falle einer großen Gefahr für unsere Demokratie (etwa durch Terrorismus) die "Diktatur auf Zeit" als Lösung angeboten hat.


Selbstlose Christen in Südamerika
Für den schrägen Otto steht bei der Beurteilung von Menschen die Religiosität an oberster Stelle, denn solche Menschen haben eine "höhere Bindung", die ihre Handlungen bestimmt. Von ihnen kann man "Toleranz", "Recht auf Leben" und "Freiheit" erwarten. Dies gilt natürlich nicht für Marxisten und Sozialisten. Geradezu lächerlich fand es der Ostexperte Otto, dass Stalin als Sündenbock für Verbrechen herhalten muss. Denn Stalin, belehrte Habsburg, ist "nicht die Verfälschung, sondern die Erfüllung der Lehre von Karl Marx gewesen".
Das Wirken der Christen in Südamerika und Afrika war für Habsburg eindeutig positiv. Die Indianer und Schwarzen wurden christianisiert, zivilisiert, und "für zahllose Sklaven und unterjochte Stämme" bedeutete das Christentum die Befreiung. Bei der Entdeckung Südamerikas gab Habsbueg zwar zu, dass es zu Beginn "Irrtümer, Ungerechtigkeiten, ja auch Verbrechen" gegeben habe, doch im großen und ganzen brachten die Spanier "dem Kontinent eine lange Zeit des Friedens ... große Sicherheit, mehr Freiheit und Achtung für Menschenwürde". die Sozialpolitik damals "sicherte der Bevölkerung Lateinamerikas den Achtstundentag, den Schutz der Frauen und Kinder, ja sogar die Gewinnbeteiligung". Und dies alles deshalb, weil die Seefahrer "von religiösen Idealen geleitet" waren, also "die Verpflichtung der Christen, die Wohltaten der Religionen und Zivilisation bis ans Ende der Welt zu tragen", wobei es sich für die spanische Weltpolitik um "ein selbstloses Verbreiten geistiger Werte" handelte.

Absolute Wahrheit auch mit Gewalt verteidigen
Zum Schluss ist eines klar. Die Welt kann nur durch das Christentum gerettet werden. Bis jedoch alle "Primitiven" Christen sind, dauert es noch eine Weile, weil "das Verständnis der christlichen Lehre setzt ein gewisses Intelligenzniveau voraus". Wir müssen endlich wieder unsere "absoluten Wahrheiten" verteidigen. Dies sollte uns, so schrieb Habsbrug, nicht schwer fallen, denn "unsere europäische Geistigkeit ist tätig", sie "glaubt an die absolute Wahrheit und ist bereit, diese zu verteidigen, wenn es sein muss, auch mit Gewalt". Besonders auf den Orden Opus Dei dürfen wir unsere Hoffnung aufbauen, denn dieser ist "auf die Aufgaben unserer Zeit eingestellt".
Habsburgs vieler Worte Sinn: Würde Europa jedoch seine Tradition verraten, "wäre die Welt in Kürze unmenschlich", denn "ein Rückfall in die Barbarei und eine Abkehr vom europäischen Erbe" sind ein und dasselbe: "Wo die Menschen nicht mehr das Christentum nennen wollen, sprechen die Steine."

Katholische Kirche und Habsburger Hand in Hand
Die Habsburger waren Verfechter des katholischen Glaubens - ohne sie wahrscheinlich kein Katholizismus in Mitteleuropa. Jahrhundertelang empfanden sich die Habsburger nicht nur als Herrscher von Gottes Gnaden über große Teile Europas, sondern auch als Verfechter des katholischen Glaubens. Päpste und Bischöfe zeigten und zeigen sich bis heute erkenntlich: Papst Paul VI. fungierte als Taufpate des Habsburgersohns Georg, Johnannes Paul II. verlieh Otto für sein jahrzentelanges Engagement für die Einigung der Völker Europas, für Gerechtigkeit, sozialen Fortschritt und Frieden das Großkreuz des Gregoriusordens, und Hermann Groer, Kardinal zu Wien, hielt Kaisermessen ab und forderte für Ottos Vater, Kaiser Karl I. die Seligsprechung, was in der Zwischenzeit auch geschehen ist.
Und während des Requiems in Wien bezeichnete Kardinal Schönborn Ottos Sohn Karl konsequent als Erzherzog. Und der jetzige Papst Benedikt XVI. verwendete in seinen Grußworten gar die Anrede "Seine Kaiserliche Hoheit, Erzherzog Karl von Österreich".  Dazu die Kaiserhymne - was für eine schöne Leich.

Alle Zitate entstammen den wöchentlichen Kommentaren Habsburgs in den Vorarlberger Nachrichten.

Demnächst: Habsburgs Steckenpferd - die Weltpolitik

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