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Donnerstag, 30. Juni 2011

Kommentar zum Thema "Gemeinsame Schule"

Walter Moosbrugger
Autor dieses Berichts
Wichtig: Das Thema „Gemeinsame Schule“ ist trotz „Reformresistenz“ der großen Koalition (v.a. der Österreichischen Volkspartei) erst am Anfang! Das differenzierte Schulsystem und die viel zu frühe Aufteilung der Kinder in Gymnasien bzw. Haupt-/Mittelschulen führt nicht zum gewünschten Erfolg. Wie die Ergebnisse der PISA-Tests ergaben, wurde in den vergangenen Jahren der Anteil an „Risikoschülern“ immer größer.


Trend zur AHS-Unterstufe nimmt zu

Nahezu alle Bildungsexperten sind sich einig: Die frühe Selektion führt zur eindeutigen Benachteiligung von Schüler/innen aus „bildungsfernen Familien“ bzw. mit Migrationshintergrund. Das Unterrichten an Haupt-/Mittelschulen wird aufgrund immer weniger lernstarker Kinder pro Klasse von Jahr zu Jahr schwieriger. Die Lernspirale nach unten nimmt ihren Lauf, die Motivation sinkt von Tag zu Tag, viele einst lernwillige Kinder „driften nach unten weg“. Die Chancengleichheit ist absolut nicht mehr gewährleistet. Der Trend zur AHS-Unterstufe nimmt von Jahr zu Jahr zu. Auch logisch, wenn man die Wahl hat. Dieser Teufelskreis, der auch das Niveau der Gymnasien (!) stetig nach unten nivelliert, muss JETZT durchbrochen werden.

Positive Vorbilder fehlen
Die Einführung einer Gemeinsamen Schule bis 15 Jahre ist unumgänglich! Die Situation (v. a. im urbanen Raum) wird ansonsten weiter eskalieren, denn die Leistungen können nicht besser werden, wenn man alle Kinder ohne AHS-Reife und diejenigen, die den Sprung in die AHS knapp verpasst haben, zusammen „in eine Klasse steckt“! Die Folgen sind, dass eine gute „Durchmischung“ und positive Vorbilder für die Kinder in solchen Klassen fehlen! Die Lehrlingsbetreuer können ein „Lied davon singen“: Die Schulabgänger solcher negativ durchmischten Klassen sind nur schwer vermittelbar. Traurig, aber wahr. Kein Wunder, dass sich gerade die Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung  für eine Änderung der Sekundarstufe – sprich Einführung einer gemeinsamen Schule – stark machen!

Bregenzerwald, ein gutes Beispiel für die Gemeinsame Schule
Daher unterstütze ich die Forderung für die Umstrukturierung im Schulsystem und setze mich persönlich dafür ein. Warum? Ganz einfach, weil ich sie für absolut richtig und wichtig halte! Und weil ich als Lehrer im Bregenzerwald sehe, dass auch sehr gute Schüler/innen nicht unter dem System leiden. Im Gegenteil, die „Wälder“ Kinder sind gute Schüler/innen – auch und gerade wegen der praktizierten Gesamtschule, die dort halt Haupt- oder Mittelschule genannt wird! Sehr gut ausgebildete Schulabgänger beleben auch als Lehrlinge und Facharbeiter das Handwerk und Gewerbe in der Region.

Modellregion Vorarlberg
Das selektive System soll jetzt umgehend im ganzen Land durch eine gemeinsame Schule der 10- bis 15-Jährigen ersetzt werden. Warum wird seitens des Landes nicht wie im Gesundheitsbereich auch eine Modellregion Vorarlberg im Bildungssektor angestrebt? Die Chancen wären auf Grund der Landesgröße und der Gemeindegrößen geradezu prädestiniert dafür. Die Gemeinden wären wohl großteils mit im Boot bei der Einführung einer Bildungs-Modellregion.  Auch der immense Notendruck auf die Volksschullehrer/innen ist kontraproduktiv für den Lernerfolg. Die politisch Verantwortlichen in Land und Bund werden - auch dank der großen Zahl an Unterstützer/innen – dringend aufgefordert, aktiv Lösungen für die baldige Einführung einer gemeinsamen Schule der 10- bis 15-Jährigen mit Einbindung der Lehrer/innen zu erarbeiten.
(Walter Moosbrugger, Initiator der Unterschriftenaktion, Hauptschullehrer in Egg)

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