Menüs

Sonntag, 22. Mai 2011

Verständliche Philosophie


Wer Philosophie gleichsetzt mit Langeweile und Kompliziertheit sollte sich mal das Buch „Leibniz war kein Butterkeks“ besorgen. Dort diskutiert Michael Schmidt-Salomon, Philosoph, Schriftsteller und Kritiker totalitär-irrationaler religiöser und politischer Ideologien,  mit seiner 20-Jährigen Tochter Lea über philosophische Fragen. Der Autor versteht es dabei gekonnt,  komplexe Gedanken in relativ einfachen Worten auszudrücken. Das Buch ist spannend,  provokant, religionskritisch und regt mit seinen anschaulichen Beispielen zum Nachdenken an.

Im Gespräch behandelt der kämpferische Schmidt-Salomon  die großen und kleinen Fragen des Lebens, setzt sich auseinander mit Themen wie Religion, Glück, Gerechtigkeit und Toleranz. Er erklärt den Unterschied zwischen Moral und Ethik, verlangt dabei den Abschied vom Moralismus, denn moralische Empörung verhindere nur allzu oft ethisch angemessene Entscheidungen. Aus diesem Grund fordert der Autor eine Ethik, in der es um gerechte, für alle Betroffenen faire Lösungen von Interessenskonflikten geht. Schmid-Salomon, der auch als großer deutscher Atheist bezeichnet wird, vertritt die Meinung, dass die Götter immer nur so klug und vernünftig sind, wie die Menschen, als deren Phantasiegebilde sie erschaffen wurden. Daraus folgert der Autor, dass die beliebten zehn Gebote der Bibel für uns keinen gültigen Moralkodex mehr darstellen sollten. Aber leider werde die Politik des 21. Jahrhunderts noch immer von Traditionalisten bestimmt, die ausgerechnet von einer 3500 Jahre alten Berggottheit aus dem Ostjordanland Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit erwarten.
Er lässt aufhorchen, wenn er das verdammte Recht einfordert, auch mal unvernünftig zu sein, wenn dabei kein anderer Mensch zu Schaden kommt. Weiters versucht er zu erklären, weshalb es die Willensfreiheit nicht gibt und weshalb Sex Spaß macht, Sterben aber nicht.
Das Buch lässt sich in kurzer Zeit verschlingen und unterhält bestens.
Interessantes Zitat: "Ein Wissenschaftler weiß, dass er etwas glaubt, was ihm heute gültig erscheint, vielleicht aber schon morgen widerlegt ist. Ein Gläubiger hingegen glaubt, dass er tatsächlich etwas weiß, was noch übermorgen gültig sein wird, obwohl es in der Regel schon heute widerlegt ist."

Michael Schmidt-Salomon & Lea Salomon
Leibniz war kein Butterkeks
Pendo Verlag
ISBN 978 386 612 2802
288 Seiten, gebunden, € 18,50 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen