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Mittwoch, 13. April 2011

Staat und Religion gehören getrennt

Foto: SPÖ-Vorarlberg
Trotz herrlichen Wetters kamen über 80 Personen, um der Bildungsdiskussion mit BM Dr. Claudia Schmied, Bildungssprecher Elmar Mayer, Frühpädagogik-Expertin Anna Spindler und meiner Wenigkeit zu lauschen.
Thema: "Hausaufgaben der Bildungspolitik"
Ort: Bregenzer Magazin 4
Neben Themen wie Gesamtschule, Neue Mittelschule und Dienstrecht kam auch die Vorschulpädagogik zur Sprache. Zum Schluss konnte ich es mir nicht verkneifen, auch noch das Thema Ethik- und Religionsunterricht anzuschneiden.

In meinem Schlusswort informierte ich das Publikum,  dass es im Mai eine parlamentarische Enquete zum Thema "Ethikunterricht" gebe.  Ich vertrat die Meinung, dass grundsätzlich jeder Schüler / jede Schülerin einen verpflichtenden Ethik- oder Philosophieunterricht besuchen sollte, und der Religionsunterricht außerhalb des Stundenplans angesiedelt gehöre. Dieses Statement wurde übrigens mit viel Applaus goutiert. (Außerdem finde ich, dass der konfessionelle Religionsunterricht nicht an staatliche Schulen gehört, und der Ethikunterricht nicht von Religionslehrern erteilt werden darf.)

SPÖ und die Konfessionsfreien
Ich vergaß auch nicht, Elmar Mayer (Bildungssprecher der SPÖ) darauf hinzuweisen, dass mich als Linken sehr enttäuscht hat, in den Medien lesen zu müssen, dass zu dieser Enquete nur religiöse Vertreter eingeladen worden sind und zwar von jeder noch so kleinen religiösen Gemeinschaft, wie den Mormonen oder den Zeugen Jehovas. Die Konfessionsfreien, die in Österreich etwa zwei Millionen Menschen umfassen, wurden mit keinem Vertreter berücksichtigt. Obwohl gerade der Ethikunterricht auch oder vor allem die Konfessionslosen betrifft. Ich informierte die anwesenden Gäste, dass schlussendlich die Grünen einen Konfessionslosen zur Enquete entsenden werden. Eine Handlung, die ich eigentlich von der SPÖ erwartet hätte.
Elmar Mayer bestätigte meine Information, wies aber darauf hin, dass in der Enquete sowieso keine Entscheidungen getroffen würden...

SPÖ und die Kirchen
Nun, wenn ich mir die letzten Jahre so anschaue, dann habe ich den Verdacht, dass das Packeln einiger Sozialdemokraten mit den Religiösen schön langsam System hat. So hatten bei den Gemeinderatswahlen in Vorarlberg die Emser SPÖ mit biblischen Texten und die Götzner Roten mit einem Kirchturm hinter dem Spitzenkandidaten um Stimmen geworben. Ich bin auch sicherlich nicht der Einzige, der sich fragt, weshalb das letzte Sparpaket mit Vertretern der Kirche im Kanzleramt diskutiert wurde.
Der ehemalige Bundeskanzler Gusenbauer meinte bei einer Versammlung mir gegenüber sogar, dass der Religionsunterricht sehr wertvoll sei und nicht angetastet werde dürfe. Ins gleiche religiöse Horn blies im Herbst 2010 Werner Faymann. Über die Medien verkündete er, falls das Kruzifix in den Klassen von den Gerichten verboten werde, wäre er dafür, diese Stelle des Konkordats in die Verfassung aufzunehmen.

Laizismus gefordert
Liberale und konfessionsfreie Bürger erwarten aber von einer SPÖ, dass sie die Trennung Staat und Kirche auf ihre Fahnen heftet. Das heißt ja noch lange nicht, dass die SPÖ nun zur Partei der Atheisten und Konfessionsfreien werden soll. Liberale Gläubige können mit einem Laizismus sowieso bestens leben und auf konservative Gläubige sollte die SPÖ besser verzichten. Die Sozialdemokraten sollten vehement die wirkliche Trennung von Staat und Kirche befürworten. Religion und Glaube sind private Angelegenheiten und haben im öffentlichen Raum (Schule, Gerichte, staatliche Gebäude, staatliche Veranstaltungen, ...) nichts zu suchen.

Foto: SPÖ Vorarlberg
Konsequenzen
Etwas sollte klar sein: Die Konfessionsfreien in der SPÖ, aber auch all jene, die sich dem Laizismus verbunden fühlen, müssen sich vermehrt zu Wort melden. Es stellt sich generell die Frage, ob man nicht eine "Arbeitsgemeinschaft Laizismus und SPÖ" gründen sollte. Mitglieder könnten Konfessionsfreie, Atheisten aber auch Menschen mit Konfession sein. Gemeinsames Ziel wäre: Kirche und Staat gehören vollkommen getrennt, etwa nach dem Beispiel Frankreichs.

Weitere Informationen:
Bericht im Standard über die Machtlosigkeit der Konfessionslosen
Homepage der Konfessionslosen
Laizismus Österreich
Ethikunterricht

Kommentare:

  1. Das mit der Arbeitsgruppe ist eine gute Idee , schon vorhandene Strukturen sollte man aber auch nützen ;-)
    Den Freidenkerbund , der historisch aus der SPÖ erwachsen ist und aus einem mir nicht bekannten Grund von der SPÖ ignoriert wird !

    http://www.freidenker.at

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  2. wollte nicht anonym bleiben , sorry !

    mit freundschaftlichen Grüssen

    Edith Bettinger

    Vorstandsmitglied Freidenkerbund

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