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Dienstag, 1. Februar 2011

PISA-Geheul

Laut Medienberichten soll die gesonderte PISA-Ausgabe für Vorarlberg rund 60.000 Euro gekostet haben.  Das Ergebnis entspricht mit Sicherheit nicht den Erwartungen von Landesrat Siegi Stemer, der wohl gehofft hatte, dass Vorarlberg als "Musterländle" in Sachen Bildung dastehen würde.
Und dann das: Vorarlbergs Schüler liegen noch unter dem österreichischen Durchschnitt.
Landesrat Stemer hätte nur uns LehrerInnen fragen müssen. Wir wissen als Praktiker ganz genau, dass schon seit längerer Zeit etwas faul im Bildungsbereich des Staates Österreich ist.

Das Pisa-Ergebnis zeigt auch, dass die konservative Bildungspolitik, die radikale Neuerungen immer zu verhindern wusste, am Ende ist. Wenn Landesrat Siegi Stemer und Landeshauptmann Sausgruber mit ernster Miene und im Brustton der Überzeugung endlich Änderungen ankündigen, kann nur gehofft werden, dass es sich nicht wieder um Änderungen handelt, die im Sinne der Scheuklappen-ÖVP sind.

Überforderte Eltern
Leider müssen wir Lehrer immer mehr beobachten, dass im Bereich Erziehung und Förderung der Kinder das Elternhaus versagt. Es ginge allerdings an der Realität vorbei, jetzt einfach die Eltern in die Pflicht zu nehmen, wie das einige Politiker wollen.
Reden wir Klartext: Bei den vielen bildungsfernen Familien sind die Mütter und Väter gar nicht in der Lage, ihren Sprösslingen schulisch zu helfen. Viele sind sogar überfordert, ihre Kinder ordentlich zu erziehen. Außerdem haben auch immer mehr Familien kaum die Zeit und die Nerven, sich nach einem langen Arbeitstag um die Hausaufgaben und das Lernen zu kümmern. Hinzu kommt, dass viele Migrantenkinder zu Hause mit der deutschen Sprache kaum konfrontiert werden. Zweisprachige Erziehung wäre wichtig, doch dies von bildungsfernen Eltern, die oft selbst nicht einmal die deutsche Sprache ordentlich beherrschen, zu verlangen ist sinnlos. Hier ist der Staat gefordert! Wir brauchen unter anderem Kindergartenpflicht für Dreijährige, verpflichtende Ganztagesschulen, mehr Ressourcen für die Volksschule, eine Gesamtschule und außerschulische Hilfskräfte besonders für Brennpunktschulen.
Es muss alles getan werden, damit nicht die soziale Herkunft eines Kindes darüber entscheidet, welche Zukunft ihm offen steht.
Wenn wir nicht sehr schnell handeln, wird die Hauptschule immer mehr Jugendliche produzieren, die arbeitslos und frustriert sind, keine Perspektive haben und dann vermehrt in die Kriminalität abgleiten.

1 Kommentar:

  1. OECD: „Boykott“ bei österreichischen PISA-Testbögen erkennbar
    Knalleffekt kurz vor der offiziellen Präsentation der PISA-Studie: Die OECD wird über die Ergebnisse Österreichs „nur mit Vorbehalt berichten“. Grund sei die „negative Atmosphäre“ in der Testphase.

    „Die Tests für PISA 2009 wurden in Österreich in einer Zeit durchgeführt, die durch eine Auseinandersetzung zwischen der Lehrergewerkschaft und dem Unterrichtsministerium geprägt war“, schreibt die OECD in ihrer Aussendung und erinnert damit an die Boykott-Aufrufe im Zuge der Auseinandersetzung um die Lehrerarbeitszeit zwischen Lehrergewerkschaft und Ministerin Schmied im Frühjahr vergangenen Jahres.
    Dieser Aufruf sei zwar wenig später widerrufen worden, „dennoch haben Testteilnehmer an PISA 2009 diesen Boykott umgesetzt“. Es hätten deshalb Testbögen, die erkennbar von diesem Boykott betroffen waren, aus dem Datensatz für Österreich entfernt werden müssen, schreibt die OECD.

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