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Montag, 24. Januar 2011

Montagskommentar: Ethik- statt Religionsunterricht

Die Diskussion um den Ethikunterricht wird in Österreich schon seit längerem geführt.  Und immer wieder das gleiche Szenario: Kirchenvertreter und Konservative wollen den Ethikunterricht nur für all jene einführen, die sich vom Religionsunterricht abgemeldet haben oder keiner Konfession angehören.  Nur gut, dass es mit Harald Walser einen Politiker gibt, der öffentlich ganz klar den für alle verpflichtenden Ethikunterricht fordert und den Religionsunterricht außerhalb des Stundenplanes am Nachmittag angesiedelt sehen will.

Im März 2010 sorgte auch noch der Grazer ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl mit der Forderung „Humanismus- und Weltethikunterricht von der Volksschule bis zur Matura“ für Erstaunen. Auch er plädierte für einen freiwilligen Religionsunterricht.

Statt Cafébesuch zum Ethikunterricht
Immer mehr Jugendliche, vor allem in der Oberstufe, können mit dem Religionsunterricht nichts mehr anfangen und melden sich ab. Um diesem Trend entgegenzuwirken, erfanden ÖVP und die katholische Kirche vor Jahren einen Schulversuch, bei dem alle Schüler, die keinen Religionsunterricht besuchen, den Ethikunterricht belegen müssen. Das sollte also die Flucht aus dem Religionsunterricht aufhalten, denn – so einige konservative Geister - der Religionsunterricht könne mit einem Cafébesuch nicht konkurrieren.
Aber ehrlich gesagt: Der Religionsunterricht wird die Kirchen sowieso nicht retten können. Er konnte jedenfalls nicht verhindern, dass zwischen 1971 und 2009 der Anteil der Katholiken von 87,4 Prozent auf 66 Prozent schrumpfte. Tendenz weiter sinkend.

SPÖ und Religionsunterricht
Von SPÖ-Seite erinnere ich mich nur an ein persönliches Gespräch mit Gusenbauer, der sich damals vehement für den Religionsunterricht aussprach. Und von Werner Faymann erwarte ich mir auch nichts Besseres. Immerhin meinte er im Herbst 2010, falls das Kruzifix in den Klassen von den Gerichten verboten werde, wäre er dafür, diese Stelle des Konkordats in die Verfassung aufzunehmen. Na wunderbar, das ist genau das, was Sozialisten, Liberale, Konfessionslose und Laizisten immer schon von einem Parteichef der SPÖ hören wollten. Von der Sozialdemokratie erwartet man sich eigentlich, dass sie stattdessen vehement für die Trennung von Staat und Kirche eintritt.
Es ist schon schwer, sich als Atheist oder Konfessionsloser bei der SPÖ heimisch zu fühlen.

Verhandlungspartner
Zudem wäre es interessant zu wissen, ob bei der Entscheidung zu dieser Frage nur die Vertreter der Kirchen eingeladen und gehört werden oder ob nun endlich auch den Konfessionslosen und den Atheisten Mitspracherecht gewährt wird. Immerhin sind in Österreich der Atheismus und die Konfessionslosen im Kommen. Laut einer IMAS-Umfrage (2009) glauben nur mehr 47 Prozent der Österreicher an einen Gott oder ein höheres Wesen.

Sollte sich die Politik nun wirklich für einen Ethikunterricht entscheiden, muss etwas klar feststehen: Es kann natürlich nicht sein, dass Religionslehrer oder gar Kirchenleute den Ethikunterricht durchführen. Wenn ich meine Kinder vom Religionsunterricht abmelde, möchte ich sicher nicht, dass sie von einem Kirchenmann unterrichtet werden. Dazu benötigen wir ausgebildete Ethik-LehrerInnen, die dieses Fach objektiv und ohne Konfessionsbrille unterrichten.

Beispiel Berlin
In Berlin übrigens gibt es bereits einen verpflichtenden Ethikunterricht für alle Schüler. Religion kann man als Zusatz wählen. Diese Regelung wurde heuer in einer Volksabstimmung mit Mehrheit bestätigt.

Mehr zu diesem Thema gibt’s in einem Bericht der Schulnotizen (Seite 14) unter dem Titel "Ethik- statt Konfessionsunterricht".

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