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Montag, 10. Januar 2011

Der Montagskommentar

„Was lange währt, wird endlich gut“, meint ein deutsches Sprichwort. Als jedoch die ÖVP ihr Bildungssystem als "nachweihnachtliches" Geschenk der Öffentlichkeit präsentierte, fragte man sich, ob dies nicht auch in einem Zehntel der Vorbereitungszeit möglich gewesen wäre. 
Irgendwie wird man außerdem das Gefühl nicht los, hier sei nur alter Wein in neuen Schläuchen präsentiert worden.
Josef Pröll betonte allerdings, dass es für die ÖVP nicht leicht gewesen sei, sich für eine flächendeckende Neue Mittelschule auszusprechen. Dabei - seien wir ehrlich – handelt es sich doch nur um eine kleine Aufwertung der Hauptschule, das alte zweigliedrige Bildungssystem bleibt erhalten. Und während die ÖVP sich nicht von alten Dogmen verabschiedet, fordert Pröll mit Unschuldsmiene die SPÖ gleichzeitig auf, in der Schulpolitik endlich die Ideologie beiseite zu lassen. Wenn die ÖVP schon so große Probleme mit einer simplen Namensänderung hat, dann wird wohl auch dem letzten Österreicher klar werden, dass mit diesen Konservativen kein Bildungsstaat zu machen ist.
Da kann man wirklich nur noch hoffen, dass nach den nächsten Wahlen eine Rot-Grüne Regierung möglich wird. Zuvor sollte aber das von Hannes Androsch initiierte Bildungsvolksbegehren - hoffentlich mit konkreten Forderungen - ein Erfolg werden. Ob dort aber jene zahlreichen bildungsfernen Väter und Mütter, deren Kinder von einer Bildungsreform am meisten profitieren würden, unterschreiben werden, mag ich bezweifeln. 


Bildung ist nicht sein Steckenpferd
Dass der ÖVP-Obmann Josef Pröll im Bereich der Bildungspolitik nicht sehr gut bewandert ist, zeigte er einmal mehr im Interview mit Armin Wolf, der wissen wollte, weshalb man denn an der Gymnasium-Unterstufe festhalte. Pröll verwies auf das schlagende Argument, weil dadurch das Gymnasium in der Lage sei, langfristig auf acht Jahre hinaus zu planen. 
Und auf die Mittlere-Reife-Prüfungen angesprochen, meinte unser Vizekanzler, dass diese doch für die Kinder die Durchlässigkeit nach oben eröffnen würde. Als Armin Wolf - die Logik dieser Aussage nicht verstehend - nachfragte, wiederholte Pröll gebetsmühlenartig, dass es wegen dieser Prüfung mehr Durchlässigkeit gebe, da durch den Besitz eines Mittleren-Reife-Dokumentes dem 14jährigen Jugendlichen alle Bildungswege offen stünden.
Von diesen Entscheidungsprüfungen, wie sie nun die ÖVP vorsieht, profitieren doch nur wieder jene Kinder, deren wohlhabende, bildungsnahe Eltern bereit sind mit Nachhilfeunterricht und kostenloser Mamahilfe ihre Sprösslinge zu fördern, damit diese locker solche Prüfungen schaffen. Die Kinder von bildungsfernen Eltern, die sich um ihren Nachwuchs wenig bis kaum kümmern – aus welchen Gründen auch immer – haben wieder das Nachsehen. Die Aufgabe der Bildungspolitik sollte es aber doch sein, solche Nachteile abzubauen anstatt neue Hindernisse zu errichten. Doch wie meinte Josef Pröll, Finanzminister und neuerdings auch Bildungsexperte, im Brustton der Überzeugung: Solche Prüfungen fördern die Durchlässigkeit.


Na dann wird's wohl stimmen.

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