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Freitag, 3. Dezember 2010

Nur ein laues Bildungslüfterl

(c) Dieter Schütz/Pixelio
Der Zeitung "Die Presse" wurde das Bildungspapier der ÖVP zugespielt, das, wie die ÖVP umgehend verkündete, noch kein fertiges Papier sei. Trotzdem, es zeigt die Haltung dieser konservativen Partei in Sachen Bildung. Wenig überraschend dabei, dass an der Trennung Hauptschule und AHS-Unterstufe festgehalten wird.
Aber auch im Bereich Kindergarten-pädagogik sucht man vergebens nach innovativen Gedanken. Da nützte es auch nicht viel, dass Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (die ja für eine Gesamtschule ist) die Leitung der ÖVP Experten aus Land und Bund innehat.

Mittlere-Reife-Prüfung
Was die Hauptschule betrifft, muss man sich den ÖVP-Vorschlag wirklich auf der Zunge zergehen lassen: Die Hauptschule soll aufgewertet werden und "Mittelschule" oder "Realschule" heißen. Die SchülerInnen sollen dort besser gefördert werden und nach vier Jahren die Schule mit einer "Mittleren Reife" abschließen können. Bestehen die SchülerInnen die Prüfung in Deutsch, Englisch, einer lebenden Fremdsprache und zwei Schwerpunktfächern, dann sollen sie in die AHS-Oberstufe und an alle anderen höheren Schulen wechseln dürfen. Wer an der "Mittleren Reife" scheitert, kann ein Jahr lang ein aufgewertetes "Polytechnikum Neu" besuchen.
Die ÖVP will also auch noch mit einer Prüfung den HauptschülerInnen den Besuch einer höheren Schule erschweren. Eine Hürde, die noch mehr Eltern dazu veranlassen wird, ihr Kind unter allen Umständen in die AHS-Unterstufe zu schicken, denn dort sind solche "Mittlere-Reife-Prüfungen" nicht vorgesehen. Der Elterndruck auf die VolksschullehrerInnen in den 4. Klassen gute Noten zu geben wird weiterhin steigen.
Zudem soll sowohl in der Hauptschule als auch in der AHS-Unterstufe in den Hauptfächern in Leistungsgruppen unterrichtet werden. Damit bleibt das österreichische Schulsystem im Großen und Ganzen so wie es ist. Innovation jedenfalls schaut anders aus.

Zusätzliches Vorschuljahr für Migrantenkinder
Und wie schaut die Förderung von Kindern aus, die kaum Deutsch können? Die schwarzen "Bildungsexperten" wollen, dass diese Sprößlinge im letzten Kindergartenjahr verpflichtend eine integrative Sprachschule besuchen sollten. Hapert es dann immer noch mit der deutschen Sprache, wird einfach ein verpflichtendes Vorschuljahr angehängt. Das heißt, dass Migrantenkinder erst mit einem Jahr Verspätung die Schule beginnen könnten.
Da wäre es doch viel sinnvoller, dass alle Kinder mit geringen Deutschkenntnissen oder Sprachschwierigkeiten bereits ab drei Jahren den Kindergarten verpflichtend besuchen müssten. Kinder, die keine Sprachdefizite haben, könnten davon ja ausgenommen werden. Gleichzeitig sollte die Ausbildung der KindergartenpädagogInnen universitär sein, dies würde außerdem ihrem Ansehen und Geldbeutel gut tun.

Wenig Mut
Die ÖVP hat mit diesem Entwurf gezeigt, dass sie in Sachen Bildung nicht ernst zu nehmen ist. Leider kann sie aber mit ihrer Haltung die Bildungs- und Chancensackgasse Hauptschule zementieren. Bei der jetzigen politischen Pattstellung wird diese Partei, die dem Standesdünkel verpflichtet zu sein scheint, auch in Zukunft dafür sorgen, dass die Chancengleichheit in Österreich eine Utopie bleibt.
Wenigstens will die ÖVP das Durchfallen mittels Modulsystem (ab der 5. Schulstufe) abschaffen.
Mal schauen wie die Endfassung dieses Papiers ausschaut, doch mehr als ein laues Bildungslüfterl wird es wohl nicht werden.

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