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Freitag, 23. April 2010

Garys Nadelstiche April 2010

Heilende Hände
Schlagzeilen über prügelnde Erzieher und Priester finden wir zurzeit häufig in den Medien. Noch in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts schien dies durchaus dem Zeitgeist zu entsprechen. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich in meinen ersten Lehrerjahren ungern schwierige Schüler dem Direktor meldete, da bekannt war, dass dieser die Schüler schon mal tüchtig ohrfeigte.

Doch Bischöfe, Priester und Religionslehrer, die damals ihre heilenden Hände sprechen ließen, können sich wohl kaum auf den Zeitgeist berufen. Das Buch der Nächstenliebe hatte doch auch vor 40 Jahren Gültigkeit? Oder sollte es etwa doch stimmen, dass Stellen im Neuen Testament die körperliche Züchtigung empfehlen?
Wie dem auch sei, eines muss klar gestellt sein: Vorsätzlich schlagende Lehrpersonen dürfen nicht auf die Unterstützung der Personalvertretung oder der Gewerkschaft hoffen.
Für immer mehr Lehrer sind allerdings verhaltensauffällige, unerzogene Schüler und oft auch ihre nicht kooperationswilligen Eltern ein Problem. Wie Pädagogen damit umgehen sollten, und was wir Personalvertreter und Gewerkschafter von der Behörde und Politik erwarten, lesen sie demnächst in den Schulnotizen.

Rinks und Lechts
Die Welt steht Kopf, die Politik spielt verrückt, links und rechts sind oft nicht mehr zu unterscheiden.
Ein Beispiel gefällig?
Nun, Bundeskanzler Werner Faymann hatte im Herbst eine "glorreiche" Idee. In einem Interview meinte er, falls das Kruzifix in den Klassen von den Gerichten verboten werde, wäre er dafür, diese Stelle des Konkordats in die Verfassung aufzunehmen.
Wie bitte?
Ich musste die besagten Zeilen zweimal lesen. Na wunderbar, das ist genau das, was Sozialisten, Liberale, Konfessionslose und Laizisten immer schon von einem Parteichef der SPÖ hören wollten. Von der Sozialdemokratie erwartet man sich eigentlich, dass sie stattdessen vehement für die Trennung von Staat und Kirche eintritt. Doch auch in der Vorarlberger Gemeindewahlen konnte man solche Fehltritte entdecken: Die Hohenemser SPÖ warb mit dem biblischen Spruch „Ehret Vater und Mutter“, und neben dem Kopf des Spitzenkandidaten der Götzner SPÖ erhob sich groß der Kirchturm der Gemeinde.
In den letzten Jahren trauten sich viele sozialdemokraten auch nicht mehr mit ihren Werten offensiv zu werben. Als Linker tut es mir besonders weh, mit ansehen zu müssen, wie die SPÖ in einem "Wachkoma" verharrt, unfähig dem Neoliberalismus Paroli zu bieten. Auch viele Versäumnisse in der Schulpolitik hat sie mitzuverantworten.  

Blockadepolitik
Wir sollten nicht fragen, ob wir uns die vermeintlichen Sozialschmarotzer noch leisten können, sondern vielmehr, ob wir uns die Spekulanten, Banker, Reichen und Blockierer einer kindgerechten Schulreform noch leisten wollen. Leider findet Letztere derzeit nur mit faulen Kompromissen statt, da sonst überhaupt nichts weitergehen würde. Statt einer Gemeinsamen Schule, verpflichtenden Ganztagesschulen und Kindergartenbetreuung für alle, haben wir nun durch die Blockadepolitik des erzkonservativen Zirkels in der ÖVP und der schwarzen Lehrergewerkschaft eine dreigliedrige Mittelstufe, Nachmittagsbetreuung auf freiwilliger Basis und viel zu wenig Kindergartenplätze, die wahrscheinlich für Fünfjährige auch noch kostenpflichtig sein werden. Von der stümperhaften Einführung der VMS seitens der Vorarlberger Schulaufsicht ganz zu schweigen.

Reformfreudige PädagogInnen werden gesucht
Ein Zustand, der eigentlich zum Verzweifeln wäre. Dennoch, das Handtuch zu werfen wäre das falsche Signal. Wir dürfen die Schulpolitik nicht den konservativen Politikern überlassen. Aus diesem Grunde würde ich mich freuen, wenn neue, junge und reformfreudige PädagogInnen bereit wären, bei FSG und SLV mitzuarbeiten. Gemeinsam können wir die Schule und die Gesellschaft vielleicht doch noch zum Besseren verändern. Packen wir es also an!

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